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Alte Technik: Das MotoMeter

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chief tin cloud*RIP*
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Alte Technik: Das MotoMeter

Beitrag #1 von chief tin cloud*RIP* » 19.12.2012, 15:08

Der folgende Bericht beruht auf einem Artikel, den ich für die deutsche Wikipedia verfasst habe.



Boyce MotoMeter Modell "Midget", Messing-Ausführung, auf einem Car-Nation von 1913. Dies ist das kleinste Gerät des Herstellers und bereits beidseitig ablesbar. Möglicherweise eine Reproduktion. (Wikipedia)



Was ist ein Motometer?


Der Name setzt sich natürlich zusammen aus "Motor" und "Thermometer". Eigentlich ist es der Name eines Unternehmens das bis heute existiert. Der Gründer war ein Deutscher, der in die USA ausgewandert war.

Das Instrument ist eine Vorrichtung an frühen Automobilen mit Wasserkühlung mit welcher die Betriebstemperatur des Motors direkt am Kühler abgelesen werden kann. Es wird anstelle des Kühlerverschlusses direkt auf den Wasserkühler geschraubt. Motometer wurden ab etwa 1930 von der Temperaturanzeige am Armaturenbrett abgelöst.

Leider habe ich zu vielen der beschriebenen Geräte keine Abbildung gefunden. Die meisten finden sich aber der englischen Spezialseite Mascot Mania (Kapitel Motometers); ich habe diese Produkte im Text kursiv gesetzt und empfehle, die genannte Seite parallel zum Kalender zu öffnen um die passenden Bilder zu sehen.

Bezüglich der physikalisch-technischen Erklärungen bitte ich um Nachsicht und wenn nötig um Korrektur...





Herstellerangaben am Sockel des Boyce MotoMeter. Dies war das mit Abstand am weitesten verbreitete Produkt in den USA und wohl auch in Europa. (cartype)




Zu Beginn der Motorisierung gab es noch keine Anzeigen für die Betriebstemperatur. Dabei führten zu hohe Wassertemperaturen oft zu irreparablen Schäden weit über defekte Zylinderkopfdichtungen oder Köpfe hinaus. Frühe Motorblöcke hatten in der Regel paarweise gegossene Zylinder ohne abnehmbare Köpfe. Die kamen erst einige Jahre nach der Erfindung des Verbrennungsmotors auf.

Die ersten Motorthermometer sassen direkt am Motor und konnten nur bei geöffneter Haube (oder Klappe wenn der Motor unter dem Sitz angebracht war) abgelesen werden. Der spätere Marktführer Boyce MotoMeter erhielt 1912 ein Patent und begann gleich mit der Produktion; weitere Patente folgten. Bereits 1917 stellte Boyce das Kapillarrohr-Fernthermometer vor dessen Anzeige erstmals im Wageninnern angebracht war.





Beidseitig ablesbares Boyce Moto Meter mit Verzierung auf einem US-amerikanischen Pierce-Arrow von 1919. Der Kühlerverschluss lässt sich nach vorn schwenken wobei die Schwingen als Griff dienen. Von dieser Seite ist nur der oberste Bereich der Temperaturanzeige sichtbar. (Wikipedia)




Aufbau und Funktionsweise

Bis weit in die 1920er Jahre wurde führ wassergekühlte Motoren meist Thermosiphon-System verwendet. Dieses geschlossene System arbeitet ohne Druck und ohne die damals oft anfällige Wasserpumpe. Der Kühlkreislauf kommt zustande, weil das erwärmte Wasser im Radiator nach oben steigt und das abgekühlte nach unten sinkt. Diese Kühlungen haben daher auch einen niedrigeren Siedepunkt als Systeme die unter Druck arbeiten. Motometer funktionieren in beiden Systemen.


Das Motometer selbst ist ein gewöhnliches Thermometer, das je nach Hersteller in der Regel als Flüssigkeits- oder Bimetallthermometer ausgeführt ist. Üblicherweise besteht es aus einem Gehäuse mit Fuss, einem Temperaturfühler und einer Anzeige.

Anfangs wurden die Gehäuse aus Messingguss, später aus Zinkdruckguss hergestellt. Als ab etwa 1915 blanke Messingteile aus der Mode kamen, erschienen auch lackierte oder vernickelte Instrumente. Seltener, etwa von Radiametre Maxant, wurden Bakelit-Gehäuse verwendet.






Aufbau eines Boyce MotoMeter mit beidseitig ablesbarer Skala für einen Buick. Die Modelle Midget, Junior und Senior unterschieden sich vor allem im Durchmesser. Dies ist ein Grundmodell mit verziertem Gehäuse. Die Technik ist simpel, Skala und Markenlogo sind austauschbare, bedruckte Blechscheiben. (prewarbuick)


Auf der Innenseite des Gehäuses ist eine Blechscheibe mit einer aufgedruckten Skala eingepasst. Davor ist ein gläsernes Kapillar-Röhrchen senkrecht so eingelassen, dass die Skala und das Röhrchen mit der Anzeigeflüssigkeit (meist Quecksilber oder rot eingefärbter Alkohol) die eigentliche Temperaturanzeige bilden. Die Anzeige ist so kalibriert, dass ganz unten der kalte Zustand und ganz oben der Siedepunkt angezeigt wird, letzterer mit einem Warnhinweis vor Überhitzung. Die normale Betriebstemperatur im Sommer ist im oberen Bereich angesetzt. Als Anzeigeflüssigkeit im Röhrchen wird meist Quecksilber oder rot eingefärbter Alkohol verwendet.

Als Abdeckung dient ein Deckglas, das zusammen mit Lünette und Dichtungsring mit dem Gehäuse wasserdicht verschraubt ist. Die Rückseite des Gehäuses (von vorn sichtbar) ist oft geschmückt mit Ornamenten und hat einem Einsatz mit dem Logo der Automarke.

Das Gehäuse wird auf so auf den Kühlerverschluss geschraubt, dass der Temperaturfühler durch den Deckel in das obere Reservoir des Kühlsystems ragt. In der Regel muss dazu der vorhandene Kühlerverschluss durchbohrt oder ausgetauscht werden.




Boyce Junior mit glattem und verziertem Gehäuse. Chromausführungen, Reproduktionen (brassworks)



Gemessen wird entweder die Wassertemperatur selber; dann ragt der Fühler direkt ins Kühlwasser. Besser ist es jedoch wenn die Umgebungstemperatur unmittelbar darüber gemessen wird. So wird vermieden, dass ein zu niedriger Kühlwasserstand oder ein ungenügender Wasserkreislauf irreführende Werte ergeben. Marktführer Boyce verlegte sich von Anfang an auf die Messung der Umgebungstemperatur.

Die Skala wird vom Fahrer durch die Windschutzscheibe abgelesen. Um dies zu erleichtern sitzt das Gehäuse leicht zum Fahrer gedreht; d.h., es gibt Ausführungen für links- und rechtsgelenkte Fahrzeuge.


An den besseren Thermometern können einzelne Teile ausgetauscht werden. Der Hersteller gab dazu Empfehlungen ab. Viele Motometer waren jedoch billig hergestellt. Oft waren dann Anzeige und Deckglas eingelötet; solche Geräte können nicht repariert werden. Für Boyce sind Ersatzteile sind erhältlich.

Allgemein ist die rein mechanische Technik dieser Geräte nicht besonders exakt; Abweichungen von 10 Grad Celsius nach oben oder unten sind möglich. Das Ablesen bei Nacht oder bei schlechter Witterung ist kaum möglich. Immerhin war das Instrument preiswert herzustellen und gab wenigstens einen Anhaltspunkt über den Zustand des Motors.






Nachgefertigtes, beidseitig ablesbares Boyce-Motometer aus Messing mit als Schwingen ausgebildetem Drehgriff (Option) auf einem Ford Modell T von 1914. (Wikipedia)





Varianten

Sehr beliebt waren Motorthermometer die sowohl von vorn wie von hinten ablesbar waren. Diese Geräte haben statt eines Gehäuses einen Metallring und beidseitig je eine Lünette mit Dichtungsgring und eine zusätzliche Metallscheibe die Rückseite an Rückseite mit der ersten im Ring angebracht wird. Oben haben beide eine runde Öffnung durch welche der "heisse" Bereich des Thermometers abgelesen werden kann; von vorn ist also nur der kritische Temperaturbereich zu sehen während für den Fahrer auf der Rückseite das ganze Kapillar-Röhrchen sichtbar ist. Dieses Motometer wird als Reproduktion wieder angeboten und bei Oldtimer-Restaurationen gerne verwendet.







Englisches Wilmot "Calormeter" auf einem Morris Cowley, späte 1920er-Jahre (flickr)






Ein interessantes Instrument, gefunden auf einem Alfa Romeo 8C 2300 Spider. es lässt sich zum Nachfüllen des Kühlerwassers seitlich wegklappen. Hersteller unbekannt. (Wikipedia)






Motometer auf einem De Dion Bouton 12/24 CV von 1924; wahrscheinlich ein Bushnell Arrometer (Ausschnitt; Wikipedia)




Manche Motometer wie etwa das Arrometer von Bushnell, das Calometer (später Calormeter) von Wilmot-Breeden oder der Morden Indicator zeigen die Temperatur mit einem Pfeil auf einer Skala an.








Boyce Motometer, speziell für den Ford Modell A (hier auf einem 29er Deluxe). (cartype / John Nichols)


Boyce bot eine ähnliche Version für den Ford Modell A (1928-1931) an; die Skala bestand aus einem Halbkreis welcher in drei Teile gegliedert war: Links mit der Beschriftung "Cool Motor", in der Mitte "Driving Range" und rechts eine kleinere Sektion "Steam". Zusätzlich gab es unter der Skala eine Sichtscheibe mit grünem Hintergrund welche mit steigender Temperatur von einer roten Blechscheibe überdeckt wurde.







Moore Motor Semaphore auf einem 1927 Duesenberg Modell X (Ausschnitte; conceptcarz)





Das Bemometer der Great Northern Sales Company hat ein Metallgehäuse mit einem kreisrunden Schauglas. Dahinter bewegt sich eine rote, runde Scheibe mit zunehmender Temperatur navh oben bis sie am Siedepunkt ist sie vollständig sichtbar ist. Ähnlich funktioniert das Moore Motor Semaphore der Semaphoric Indicator Company aus Chicago. Es arbeitet mit je einer roten und einer grünn Scheibe. Der Schwimmer bewegt zwei Hebel die auf je eine der Scheiben einwirken. In kaltem Zustand ist nur die komplette grüne Scheibe zu sehen. Je mehr von der roten sichtbar wird desto höher ist die Motortemperatur. Bei Betriebstemperatur sind beide Scheiben teilweise erkennbar; bleibt die rote Scheibe permanent sichtbar ist zu wenig Wasser im Kreislauf.




Ein anderes Wilmot "Calormeter", hier auf einem Austin Seven (Wikipedia)



Das Metro Scope - Benson Favorite der Auto Radiator Meter Company aus Seattle hat eine kreisförmige Skala welche nur einen umlaufenden, gläsernen Kreisbogen freilässt. Die Anzeige erfolgt durch zwei hinter der Skala angebrachte rote Fahnen. Diese bewegen sich gegenläufig nach oben sodass der Kreisbogen auf beiden Seiten allmählich rot eingefärbt wird; die Betriebstemperatur ist erreicht wenn dies zu etwa 2/3 erfolgt ist. Treffen die beiden Anzeigen oben zusammen dann besteht akute Überhitzungsgefahr.

Einen interessanten Ansatz fand die W.B. Jarvis Co. in Grand Rapids MI: Nicht die Temperatur wurde gemessen sondern der Wasserstand im oberen Kühlerreservoir. Je heisser das Wasser - also je mehr Dampf sich im System bildet, desto tiefer sinkt der Wasserpegel. Angezeigt wird dies mittels einem langen Rohr das weit in den Kühler hineinragt und einem Schwimmer der wiederum mit einer Anzeige verbunden ist. Bei vollem Tank steht der Schwimmer am oberen Anschlag was mittels Zeiger auf einer vertikalen Skala sichtbar wird. Je mehr Wasser verdampft desto tiefer sinkt die Anzeige. So wird der Fahrer gleichzeitig daran erinnert, rechtzeitig Kühlwasser nachzufüllen.


Einige Hersteller

Marktführer bei solchen Instrumenten war Boyce Motometer; sie gehörten zur Erstausstattung zahlreicher Automobilhersteller. Lizenznehmer in Deutschland war MotoMeter.





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Moto-Meter-GmbH, Frankfurt a.M. und Moto Meter Hermann Schlaich GmbH, Stuttgart (Motometer)


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American Motor Safety Corp., Kalamazoo MI; "Unbreakable Hydrometer


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Great Northern Sales Co., Firmensitz unbekannt, "Bemometer"


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G. H. Morden Co., London, "The Morden Indicator"


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Auto Radiator Meter Co., Seattle WA (Metro Scope - Benson Favorite)


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Boyce MotoMeter (Long Island City NY)


*

Bushnell Manufacturing Co., Berkeley CA (Arrometer und Junior Arrometer


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W.B. Jarvis Co., Grand Rapids MI


*

Radiametre Maxant, Paris


*

Wilmot resp. Wilmot-Breeden, Ltd., UK


Bild


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Beitrag #2 von chief tin cloud*RIP* » 08.12.2013, 19:35

Das MotoMeter als Autozubehör

Bei vielen Herstellern gehörte das Motor-Thermometer nicht zur Serienausstattung. Oft wurde es als Werkszubehör angeboten, manche Erstausstatter boten ihre Instrumente aber schon früh auch im markenunabhängigen Zubehörhandel an. Motometer waren in zahlreichen Varianten vom preisgünstigen Massenartikel bis zum kunstvoll gestalteten Einzelstück erhältlich. Wegen seiner prominenten Position ganz vorne am Fahrzeug wurde es auch zum kunstvoll gestalteten Zierteil. Manche Geräte hatten beideitig Glasdeckel sodass die Temperatur bei stehendem Fahrzeug auch von vorn abgelesen werden konnte. Andere nützten die Rückseite des Geräts für dekorative Figuren und andere Darstellungen. Viele Motometer haben einen Griff zwischen Verschluss und Anzeige mit dem sich der Kühler leichter öffnen ließ. Daraus entwickelte sich ein Zierteil, oft in Form von Schwingen. Teurere Motometer haben ein aufwendiger bearbeitetes Gehäuse und manchmal auch eine Figur, dienen also auch der Zier.




Wenn es etwas eleganter sein darf: Boyce MotoMeter Modell Radio; Original von 1928 (flickr)
Ursprünglich bestanden die Gehäuse der Motor-Thermometer aus Messing. Als sich ab ca. 1915 Nickel zur Oberflächenbehandlung blanker Metallteile durchsetzte, wurden auch sie vernickelt. Einfache Ausführungen, z. B. auf Trucks, wurden oft lackiert. Nur wenige Motor-Thermometer wurden original verchromt weil das Instrument zu der Zeit (ab etwa 1930) durch Anzeigen am Armaturenbrett verdrängt wurde wie Chrom Nickel für blanke Teile verdrängte.



Accessoires für Motometer: Sockel und Verschlüsse

Das Oeffnen eines heissen Kühlerverschlusses, zumal mit einem Motometer oder einer Figur obendrauf, ist nicht jedermanns Sache. Viele Hersteller boten Griffe dazu an welche zwischen Verschluss und MotoMeter geschraubt wurden; oft waren dies Universalteile die auch unter einer Kühlerfigur verwendet werden konnten. Es gab sie als Universalzubehör oder speziell für den Zubehörkatalog eines Herstellers gefertigt, oft in Verbindung mit Kühlerfigur oder Thermometer im Set.
Die gängigsten wurden wegen ihrer Form vom Volksmund "Hundeknochen" genannt. Es gab sie in zahlreichen Versionen. Aber auch andere Ausführungen waren erhältlich, häufig in der Form von Vogelschwingen.




Ein Boyce Senior MotoMeter mit "Hundeknochen"-Griff für einen Buick von 1924. (AACA Forum)



Boyce MotoMeter mit "Schwingen"-Motiv im Art-Deco Stil auf einem Hupmobile von 1925, möglicherweise ein für den Autobauer als Accessoire produziertes Stück. (Ar-Chief)

Verschiedene Hersteller boten diese alternativen Sockel und Verschlüsse an um über den Mehrwert an Komfort oder Sicherheit auch das Auge zu erfreuen. Eine oft angebrachte Verbesserung betraf den Ersatz des Schraub- durch einen Klappverschluss. Auch diese Teile sind Adapter die zwischen Verschluss und MotoMeter oder Figur geschraubt werden. Der Adapter ist zweiteilig und mit einem Scharnier versehen. Die Griffe dienen hier dem Kippen des oberen Teils samt Thermometer. Durch das Wegschwenken des Deckels wird der Zugang zum Kühler frei; die Figur muss nicht abgenommen werden.




Boyce MotoMeter mit Adapter für Klappverschluss; die Schwingen sind reine Zierteile. Gegenüber dem Scharnier sitzt der Schliessmechanismus.(Ar-Chief)


Die Elison Bronze Company in Jamestown NY hatte in ihren Sockel eine sinnreiche Mechanik eingebaut: Zwei seitliche Schwingen arretieren den Deckel. Werden sie nach hinten gedreht, dann kippt auch der Kühlerverschluss.



Boyce Motometer mit Kühlerfigur-Adapter
auf einem Packard Six Modell 223 von 1926. Zum Oeffnen des Kühlers wird der Bügelverschluss nach und Figur und Motometer nach hinten geklappt worauf der Kühler zugänglich wird. Der Bügel funktioniert ähnlich wie der Deckelverschluss an alten Flaschen oder Einmachgläsern. Die Kühlerfigur "Goddess of Speed" und das Packard-Logo in der Anzeige weisen auf ein Werkszubehör hin. (Wikipedia)





Ein interessantes Teil: Im Prinzip das gleiche System wie oben für einen Buick. Die Figur ist der "Goddess of Speed" nachempfunden. Obwohl Buick ziemlich unverhohlen Designelemente von Packard kopierte (vgl. Türchen "1924" vom 8. Dezember) ist dieses Plagiat kaum eine Werksausstattung (Ar-Chief)


Kühlerfigur

Das nützliche Motometer wurde oft in Verbindung mit einer Kühlerfigur verwendet. Dabei musste sichergestellt bleiben, dass der Wasserkreislauf dicht blieb und die Anzeige weiterhin funktionierte. Dazu gab es verschiedene Lösungen. Gebräuchlich waren Figuren welche anstelle des Fusses den erwähnten Adapter hatten. Eine andere Möglichkeit war ein Scharnier im Kühlerdeckel selber.

Die Dame mit den Flügeln und dem Rad ab ist ein bekanntes Packard-Motiv. Sie ist aber generell in der Auto- und Zubehörwerbung zwischen 1900 und 1930 sehr verbreitet.



Boyce MotoMeter mit Figur "Triomphe" (Triumph) des französischen Künstlers F. Bazin. Dieses Motiv verwendete der Künstler auch für die offizielle Figur des Isotta-Fraschini Ob dieses MotoMeter für I-F bestimmt war, ist unklar. Bazin schuf auch die Kühlerfigur des Hispano Suiza, den fliegenden Storch. (Ar-Chief)



Zum Schluss betrachten wir mehr oder weniger sinnvolles und -reiches Zubehör:
Fahnen

Fahnensets gab es als Adapter oder zum Verschrauben direkt mit dem Thermometergehäuse.




Set für fünf Flaggen zum Verschrauben mit dem Thermometergehäuse. Im Alltag ein kurzlebiges Vergnügen für die Fahnen. Reproduktion. (Texas T Parts)




Beleuchtung

Der wohl effizienteste Ansatz zum Ablesen der Anzeige bei Nacht war das "Glo Light" von Boyce. Es bestand aus einem (vernickelten) Messinggehäuse das an der vom Fahrer abgewandten Seite des Instruments angebracht wurde und eine Beleuchtung sowie verschiedene Glaslinsen enthielt. Die grösste, weiss gefärbte strahlte einerseits in die Fahrtrichtung, vor allem aber hinterleuchtete sie die Anzeige. Je eine rote und grüne Linse sassen seitlich davon als eine Art Positionslicht.





Aeusserst seltene Boyce "Glo Light" Beleuchtung. Die Figur steht auf einem Kippadapter mit Bügel. (AACA-Forum)


"Glo Light" wurde über einen Schalter am Armaturenbrett eingeschaltet und dürfte sowohl den Gegenverkehr wie auch den Fahrer geblendet haben. Eine Variante davon stellte die Never-Out Company in Philadelphia her. Hier wurde ein blaues Licht zum Hinterleuchten der Skala verwendet.
Einen etwas skurrilen Weg ging Boyce mit dem Cowl Light. Dies war eine Beleuchtung in Form einer vernickelten Dose welche auf dem Torpedoblech direkt vor der Windschutzscheibe angebracht wurde. Das Gehäuse enthielt an der Seite wiederum drei runde Glaslinsen. Eine weisse strahlte das Motometer an, je eine rote und weisse waren seitlich angebracht. Der "Deckel" mit einem Eichel-Motiv war abschraubbar; an seiner Stelle konnte eine handelsübliche Kühlerfigur aufgeschraubt werden. Diese Beleuchtung war für US$ 3.50 im Zubehörhandel erhältlich.

"Protect-O-Cap"

Protect-O-Cap war ein Sockel aus Aluminium auf welchen das Motometer aufgeschraubt wurde. Es enthielt eine Öffnung zum Kühler die durch eine schräg angebrachte Klappe mit einer Rändelschraube aus Messing abgedeckt und gesichert wurde. Bei geöffneter Klappe liess sich Kühlwasser nachfüllen ohne dass dazu das ganze Thermometer entfernt werden musste. Möglicherweise war Protect-O-Cap mit verschiedenen Ziermotiven erhältlich. Eine Ausführung mit Schwingen ist bekannt. Herstellerin waren die Up-To-Date Machine Works in Chicago.



Die Lady auf dem Thermometer wirbt für Bademode. Ein ausserhalb der Wäschebranche eher weniger verbreiteter "Topper" (collectors weekly)


"Topper"

"Topper" sind ein Thema für sich...
Sie konnten an einer oben am Motometer angeschraubten Halterung befestigt werden. "Topper" können Wappen, Logos, Figuren, Buchstaben, Fahnenständer oder andere Symbole mit einen zum Motometer passenden Verschluss sein. Ähnlich heutigen Aufklebern vermitteln sie Vorlieben und Hobbies des Besitzers wie bevorzugte Sportart, politische Parteien, Organisationen, Vereine - oder auch nur eine Werbebotschaft.


Der Fahrer des Chandler an dem dieses Boyce Motometer befestigt war gehörte mit einiger Sicherheit einer Freimaurerloge an wie der "Topper" anzeigt. (Phoenixmasonry)


"Topper" wurden von den Herstellern des Motometers angeboten aber auch von anderen Betrieben wie etwa Giessereien wie L.V. Aronson (heute Ronson Feuerzeuge). Es gab sogar welche mit Lämpchen zum Anstrahlen bei Nacht. Beleuchtete Christbäume hinter der Windschutzscheibe haben durchaus ihre Vorgänger....

Diebstahlsicherung

Anders als Motometer zum Umklappen lassen sich Standard-Versionen leicht abschrauben. Die J.C. McAdams Sales Company in New York City produzierte eine Diebstahlsicherung die auf einem Patent des Gründers der Boyce MotoMeter Company, Hermann Schlaich beruhte. Sie ist aus Chromstahl und vernickeltem Messing hergestellt und besteht aus einer Kette, einem aufklappbren Anker und einer Befestigung welche mittels Rändelschraube direkt an den Fuss des Motometers erfolgt.




Ein Moon-Automobil aus St. Louis mit Boye MotoMeter und "Hundeknochen" Adapter mit wechselbarem Motiv, hier als Wappen.


Weitere Individualisierungen

Hersteller wie Boyce boten eine grosse Auswahl an Blechscheiben mit Motiven an, die in das Thermometer eingesetzt wurden. Es gab auch Sockel und Adapter die für eigens dafür hergestellte Plaketten vorbereitet waren.
Das bereits erwähnte Moore Motor Semaphore hatte vorn eine Metallplakette. Zwischen dieser und dem Gehäuse war ein senkrechtes Rohr versteckt das bei besonderen Gelegenheiten als Fahnenständer diente.


Werbeträger

Das Logo des Herstellers auf dem Motormeter war weit verbreitet.
Ausser den erwähnten "Topper"-Aufsätzen konnte man aber auch einzelne Werbebotschaften hinter dem Schauglas vermitteln. Dazu bedruckte der Hersteller seine Blechscheiben mit der gewünschten Botschaft in entsprechender Auflage und verbaute diese in seine Geräte. Solche Thermometer wurden von Werkstätten und Vertretungen als Werbegeschenke abgegeben oder beim Autokauf mitgeliefert.


Fernthermometer



Boyce Motometer Kapillarrohr-Fernthermometer, patentiert 1916! (AACA)



Boyce kam 1917 mit dem ersten Kapillarrohr-Fernthermometer auf den Markt. Das Unternehmen beschrieb die Funktionsweise später so:
[INDENT]Das Kapillarrohr-Fernthermometer "bestand lediglich aus drei Teilen: dem Wärmefühler (Tubus), der Kapillarleitung und der Bourdonfeder. Die Erfindung war jedoch spektakulär, denn es ermöglichte mithilfe des Flüssigkeitsdrucks eine lineare Anzeige. Sobald der Tubus in eine warme oder kalte Flüssigkeit getaucht wurde, hatte die Bourdonfeder das Bestreben, sich zu strecken bzw. sich zusammenzuziehen. Der dadurch bewirkte Ausschlag des Zeigers zeigte auf der Skala die jeweilige Temperatur an".
[/INDENT]
Die Anzeige selber war rund, hatte eine indirekte Beleuchtung und einen Fuss aus Metall der mit einer Rohrschelle auf der Lenksäule befestigt wurde damit keine Löcher in das Armaturenbrett gebohrt werden mussten. Es wurde empfohlen, den Temperaturfühler im Wasserschlauch auf der Ausgangsseite des Kühlers anzubringen.




Alte Motometer findet man auf Oldtimer-Teilemärkten oder bei eBay. Boyce-Geräte werden nachgefertigt und bei vielen Teilehändlern im Sortiment, zB Restaurationstuff.
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